Der inneren Stimme folgen

Abwegig unterwegs

Hast du es gelesen? – Ja.

Hast du es verstanden? – Ja.

Wendest du es an? – …öööhh…

Vor wenigen Tagen habe ich endlich meine Leseliste eingestellt und dachte mir – da hast du ja schon einiges an Lektüre verschlungen. Dabei sind noch nicht einmal alle Werke aufgeführt (zu einigen habe ich einfach zwiespältige Meinungen). Und wie ich mir das Ganze so ansehe, meldet sich eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf, die mich scheinbar provozieren will.

„Sag mal, wenn du DAS ALLES gelesen und kapiert hast… warum bist du dann noch immer nicht im Reinen mit der Welt? Müsstest du nicht glücklich und leicht verstrahlt durch den Tag torkeln? Wenn du so viel gelernt hast – wie sah denn dein Jahr 2017 mit all dem Wissen aus?“

Tatsache ist, dass ich eben nicht abgehoben und verstrahlt durch mein Leben tanze. Ich habe auch so meine Rückschläge erlebt. Habe Menschen verletzt, die ich von Herzen liebe. Habe mich als Opfer der äußeren Umstände gefühlt. Habe Ereignisse verteufelt, die mir die Laune verdorben und mich somit aus meinem inneren Frieden gerissen hatten. Habe mich selbst bemitleidet.

Zur Zeit, als ich all diese Bücher las und die richtigen Leute zur richtigen Zeit traf, war das anders. Da hatte ich einen echten Lauf; fühlte mich mit jeder Erkenntnis leichter und herzoffener. DA war ich glücklich und mit der Welt im Reinen – und bekam es auch ständig von außen gespiegelt. Tolle Zeit das. Doch irgendwann kippte die Waage langsam und dann ging es in genau die entgegengesetzte Richtung.


Plötzlich handelte und dachte ich wieder genau wie die Leute in den ganzen „So machen Sie es bitte nicht“-Beispielen, mit denen jedes gute Buch aufwarten kann. 


Plötzlich tappte ich zurück in die alte Falle des Egos und der Opferrolle… Zum Heulen! Was war nur geschehen?

Kaum ging dieser Blog an den Start, da wollte ich ihn bald schon wieder einmotten. Ich kam mir vor wie ein Motivationstrainer, der in den Spiegel sieht und sich sagt: „Junge… das wird harte Arbeit“. Ganz toll.

Also tat ich das Einzige, das mir sinnvoll erschien. Ich legte den Stift beiseite und ging vom Schreiben zurück ans Leben. Anders gesagt: ich lebte einfach ein Weilchen nur so vor mich hin – ohne Bestellungen beim Universum und ohne meine Lieblingsthemen weiter zu verfolgen. Statt irgendwelche tollen Einsichten aus mir heraus zu pressen, beobachtete ich mich. Ich sah und hörte mir zu und versuchte herauszuhören, woher die ganzen negativen Worte und Gefühle eigentlich kamen. Genau so, wie ich es oft bei Anderen tat. Tatsächlich ergab sich bald folgendes Bild:

  1. Ich regte mich über Kleinigkeiten auf sowie über das Verhalten meiner Mitmenschen. Ich setzte sie ins Unrecht, da ich mich selbst im Recht fühlte. Nicht genug, dass ich all das DACHTE – nein – ich sprach das alles sogar aus, um Andere möglichst auf meiner Seite zu wissen.
  2. Ich erzählte und durchlebte immer wieder, was mir in den letzten zwei Jahren alles Schlimmes passiert war – und hinderte mich selbst somit daran, es loszulassen.
  3. Außerdem holte ich ein sehr beliebtes „Kontrolldrama“ (Die Prophezeiungen von Celestine, siehe Leseliste) hervor, ohne es zunächst zu bemerken: Das „Arme Ich“ (auch die Opferrolle genannt), das einen Gegenspieler, also einen Täter sucht.

Alle drei Beobachtungen gehen gerne Hand in Hand einher. Sie ergänzen sich sogar ganz großartig. Aber was nun? Wie das Ganze beenden?


Wann immer es dir wie Schuppen von den Augen fällt und du dich selbst durchschaust, ist bereits viel gewonnen und die Richtung stimmt.


Außerdem ist es hilfreich, wenn sich Menschen in deinem Umfeld befinden, die bewusst genug sind, dich auf die Ränkespielchen deines Egos hinzuweisen. Oder sich dem einfach ganz entziehen. Und schlussendlich ist es wichtig, auf den Sinn und Zweck in jedem Prozess, den man durchlebt, zu vertrauen und liebevoll zu sich selbst zu bleiben. selbst wenn das Gefühl vorherrscht, man mache im Augenblick eh alles falsch.

Denn dem ist nicht so. auch die Umwege sind wichtig. Und die gehen wir alle, jeder den seinen.

„Und welchen Sinn soll dieser Riesenumweg haben?“ fragt mich der innere Provokateur (mein Ego?)

Ich würde sagen… einen A&%§# voll Erkenntnisse!

  1. Und wenn ich in einem Jahr eine ganze Bibliothek „verspeise“ – alles Wissen braucht seine Zeit, um sich festigen zu können. Nur weil der Kopf etwas begriffen hat, ist es im Bauch noch lange nicht angekommen. Lass es sacken… schau dir an, wie du dich verhältst und beginne, diesen neuen Teil von dir zu integrieren.
  2. Bewusst sein kann ich nur, wenn ich mir der Spiele des Egos ebenso bewusst werde. Aber verdammt, das Ego ist clever! Es tarnt sich sogar als weises, spirituelles, ratgebendes Wesen, wenn man nicht aufpasst – und schaut dann auf alle anderen herab.
  3. Zurückhaltung, Toleranz, Gewahrsein – ohne diese Freunde sind wir ganz schnell wieder bei zweitens.
  4. Die richtige Einsicht kommt zur richtigen Zeit. Heute an der Tagesordnung:

Ein Umweg ist kein Umweg, sondern genau der Weg, der zu dir passt. Und da jeder den seinen geht, wage ich zu behaupten: den direkten Weg – den gibt es nicht… DAS hätte sich herumgesprochen!


 

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